Kommentar: Studiengebühren wieder einführen?

10.06.2025

Studieren darf kein Luxus sein.

Die Frage nach dem Sinn von Studiengebühren.

Österreichs Budgetloch wird größer. Nun heißt es: "Alle müssen einen Beitrag leisten". Aber wo setzt die Politik da nun an?       Ja richtig, bei einem Thema, welches bereits in der Vergangenheit schon oft genug diskutiert wurde. So kommt es also dazu, dass Studiengebühren mal wieder auf die Agenda gesetzt werden. Eigentlich klingt es ja erst einmal logisch: Studierende verdienen später mehr, deshalb sollen sie  jetzt schon zahlen. Doch so einfach geht die Rechnung nicht auf, der Ansatz greift zu kurz und trifft sozial Schwächere am stärksten.

Bereits im Jahr 2001 führte eine FPÖ-ÖVP-Regierung die allgemeinen Studiengebühren ein, allerdings mit gravierenden Folgen: Die Anzahl der Studierenden an der Universität Wien sank erheblich um nahezu 16 Prozent. Viele sozial Schwächere konnten sich die Gebühr nicht leisten. Grund genug, um ein Studium abzubrechen oder gar nicht erst anzufangen. Studiengebühren stellen daher ein Eingangshemmnis dar, sie lassen die Wissenskluft zwischen Arm und Reich weiterwachsen.

Dabei ist doch gerade ein offener Hochschulzugang von öffentlichem Interesse. Gerade weil Studierende in Österreich von Studiengebühren befreit sind – sofern sie die Regelstudienzeit einhalten und aus der EU oder dem Europäischen Wirtschaftsraum stammen, ist das Land als Studienort besonders attraktiv. Viele Studierende entscheiden sich bewusst für Österreich. Sie bringen nicht nur Vielfalt und Wissen mit ins Land, sondern kurbeln auch die Wirtschaft an. Manche werden sich nach ihrem Studium auch dazu entscheiden in Österreich zu bleiben, um dort weiterzuarbeiten. Damit helfen sie dem Fachkräftemangel definitiv mehr als jede Gebühr. Es ist also nicht der richtige Weg, die Studienplätze mit einer Gebühr unattraktiv zu machen, nur weil man meint, mehr junge Menschen würden sich dann eher für eine Lehrausbildung entscheiden. Viel eher sollte man direkt bei der Lehre ansetzen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer fairen Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen? Das Image der Lehre könnte definitiv aufgewertet werden.

Natürlich stimmt es, dass manche Studierende sich ein oder vielleicht auch zwei Semester mehr Zeit nehmen. Aber nicht unbedingt mit dem Argument, dass sie keine Lust haben zu studieren oder es nicht so ernst nehmen. Nein, viele entscheiden sich dazu praktische Erfahrung zu sammeln, denn diese hilft auch bei zukünftigen Bewerbungsgesprächen einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Außerdem brauchen auch manche einfach etwas länger für ihr Studium, da sie nebenher arbeiten. Für viele Studierende ist die finanzielle Situation bereits ohne zusätzliche Kosten recht angespannt. Laut der Studierenden Sozialerhebung 2023 arbeiten 3 von 4 der österreichischen Studierenden während des Studiums, um sich dieses überhaupt leisten zu können.

Meiner Meinung nach ist es daher definitiv der falsche Weg, an Bildung zu sparen. Bildung sollte kein Luxusgut sein, sondern muss für alle Menschen zugänglich bleiben. Denn jeder hat das Recht auf Bildung – unabhängig des Einkommens oder der sozialen Herkunft. Dieses Recht ist ein fundamentales Prinzip einer gerechten und auch zukunftsfähigen Gesellschaft.           

Also Österreich – such dir bitte ein anderes Sparschwein. Die Bildung ist es nicht.  

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